md-article about the project of an administration building
md moebel interior design, 1964
Projekt für ein Verwaltungsgebäude
Verner Panton, Architekt, Binningen, Schweiz
Der dänische Architekt Verner Panton - bekannt durch seine Möbel-, Lampen- und Stoffentwürfe - lebt seit einigen Jahren in der Schweiz. Sein Stil war in der letzten Zeit stark vom «Runden» beeinflusst. Dies mag eine verständliche Reaktion auf das übertriebene Rechteck-Design sein, oder es mag tiefere Gründe haben. Die Erde ist rund und viele Grundpartikel sind es auch. Wenn man diesen Gedankengängen näher tritt, sieht man plötzlich immer mehr runde Körper, die so entstanden sind oder aus rationellen Gründen so gestaltet wurden. Ob man an die sardischen Nuragen, an Wehrtürme, Schilde, Helme, Flüssigkeitsbehälter oder andere Gebäude und Gegenstände denkt, überall findet man interessante ästhetische und rationelle Gesichtspunkte. Seit den römischen Kolosseen und runden Kapellen hat es ausser defensiven Gebäuden verhältnismässig wenige gegeben, die rund gebaut wurden. Erst in jüngster Zeit sind einige Architekten dazu übergegangen, auch andere Gebäude als Theater als Rundbau zu gestalten. Verner Panton ist - meines Erachtens - der Erste, der ein rundes Verwaltungsgebäude entworfen hat. Er entwickelte einen Rundbau aus genormten, vorgefertigten Betonelementen, für den er ebenfalls ein völlig neues Grossraumbüro gestaltete.
In einem runden Hohlkörper mit Flachdach plante er, ausser Unterund Erdgeschoss, drei Stockwerke, die quasi lose im Raum stehen, da sie an einer Mittel- und vier Aussensäulen auf leicht untereinander -variierten Höhen befestigt sind. Solch ein Grossraumbüro bietet erstaunliche Vorteile. Durch dieses Konstruktionsprinzip erhält der Grossraum mehr Luft und Licht als ein konventioneller Bau, weist aber trotzdem niedrige Schallwerte auf und kann zum grossen Teil auf besonderen Sonnenschutz verzichten.
Das Revolutionärste an diesem Entwurf ist der Arbeitsablauf innerhalb des Grossraumbüros. Im konventionellen Büro strebt man den horizontalen Arbeitsablauf an; hier entsteht das Gegenteil. Die grosse Säule im Mittelpunkt des Gebäudes nimmt Aufzüge und Leitungsschächte auf und ist das tragende Element für die drei grossen Hauptplattformen. An der Peripherie dieser Plattformen liegen in gleichen Abständen die vier runden Treppenhäuser, die wiederum die weiter aussen liegenden «Kreise» erschliessen. Die verschieden grossen Plattformen sind gegeneinander versetzt, so dass auf verschiedenen Ebenen gearbeitet wird. Die ebenfalls rund angelegten Arbeitplätze hinter halbhohen Brüstungen sind von den andern Plattformen nicht einzusehen und können, wenn notwendig, ganz geschlossen werden.
Auf den ersten Blick erscheint dieses Konzept nicht rationell, aber die Untersuchungen eines unabhängigen Betriebswirtschafts - Organisationsbüros zeigten, dass der Arbeitsablauf um 15% rationeller ist als beim konventionellen Verwaltungsgf;lbäude. Ebenso wurdeu die psychologischen, klimatischen und ähnliche Fakten positiv beurteilt. Es wäre zu hoffen, dass diese interessante Planung bald zur Ausführung gelangte, denn sie könnte der Vorläufer einer neuen Entwicklung beim Grossraumbüro sein.
1 Schnitt B-B (vgl. Grundriss) Section B-B (see ground-plan)
2 Modellaufnahme • Photograph 0 the model
3 Schnitt A-A (vgL Grundriss) • Section A-A (see ground-plan)
4 O-Plattform (Bodenplattej • O-platform (floor tile)
5 Plattform 3 und 6 • Platform 3 and 6 6 Modellaufnahme ohne Dachplatte • Photograph of the model without roof tile