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Spiegel Special, Nr.5/1997


 
Quatschen verboten....
 

Quatschen verboten

- Die Zukunft hat nicht begonnen. Es fehlt eine Dimension zur Steigerung des Wohlbefindens, die noch nicht realisiert worden ist.

Die Farben beeinflussen unser Leben und unsere momentane Stimmung. Farben können eine heitere oder eine bedrückte Atmosphäre erzeugen. Für viele Menschen ist Farbe wichtiger als Form, wenn sie einen Gegenstand (nicht Damen) betrachten oder etwas erleben. Es wäre ideal, wenn man seinen Raum je nach Gemütslage, Tages- und Jahreszeit verändern könnte.

Die Beleuchtung ist ein integrierter Teil der Farbe. Ist die Beleuchtung falsch, nützen selbst die besten Farben nichts. Es wird Beleuchtungen geben, die mit den Farben harmonieren und sie unterstreichen. Textilien, Teppiche, Möbelstoffe und Vorhänge sind Reminiszenzen einer vergangenen Zeit, die erneut eine Revision erleben werden. Die Möbel der Zukunft werden funktionell und phantasievoll sein und neue Möglichkeiten eröffnen. Junge, kreative Designer und Einrichter werden sich zusammentun, um neue GeWOHNheiten zu vermitteln - unabhängig von dem Etablierten.

Intellektuelles, gleichgültiges Gequatsche über Design wird verpönt sein. Kleine Firmen mit individuellen Programmen werden die Zukunft weisen. Phantasielose Möbelleute werden nicht in den Himmel kommen.

Verner Panton, Designer

KAPITEL 2 . WOHNEN 2000
Was Designer und Prominente wirklich mögen
Wüstensand unterm Zelt

Die Hersteller, ob von Möbeln, Lampen oder Teppichen, sollten uns die Noten liefern, die Komposition sollte jeder selbst machen, und zwar dadurch, daß er Verbindungen zieht zum eigenen Leben.

Das trifft zum Beispiel auf einen Propeller zu, den ich als großen Uhrzeiger über meinem Kamin habe, weil ich bei einer Bruchlandung einen Flügel davon abgebrochen habe. Oder auf zwei Kunstwerke: einen billigen Jakobinerstuhl, den ich mir in England kaufte, als ich noch Bäckerlehrling war, und ein teures Porzellanobjekt, die "Onda Costrutta", von einem Künstler und Freund, Marcello Morandini. Der Boden in meinem SternenzeltSchlafzimmer besteht aus 300 Kilogramm gewelltem Wüstensand mit Plexiglas darüber, den ich von einer Oase geholt habe, in der ich Fremdenlegionär war.

Oder die Verbindungen der Familie: Da sind die Bilder des Fast-Siebentausenders im Himalaya, den ich nach meinem Sohn Turpin benennen durfte. Da ist die große Weltkarte an der Wand, auf der unsere Familienwanderungen - jeder Meter zu Fuß oder mit dem Ruderbootaufgezeichnet sind, mal von Selb über die Alpen nach Italien und Griechenland bis in die Türkei, mal von hier nach Oxford.

Oder der Teller von Ernst Maria Lang, auf dem ich mit einem Oxford-Hut, Fremdenlegionärsmütze, Bowler (Unternehmerhut) und Sozi-Mütze und mit meinem Spruch karikiert bin: "Das Leben ist wie eine Bergwiese, voll von schönen Blumen und Kuhfladen; Glück oder Unglück ist nur, wo man mehr hinschaut."

Wichtig ist auch die Trennung zwischen echtem Alten und echtem Neuen. Beispielsweise ein Rokokozimmer mit echtem Stuck und 25 "Ahnen" des Porzellans von Ägypten, Griechenland bis zu Meißen und den Klassikern von RosenthaI. Oder die schon seit 20 Jahren moderne Küche, nur aus Stahl und Weiß, und ein Relief aus farbigen Kacheln von Victor Vasarely; diese Farben wiederholen sich im Geschirr.

Also, auf das Echte und Eigene kommt es auch beim Wohnen 2000 an.

Philip Rosenthal
Politiker und Porzellanfabrikant

Fotos von Andreas Pohlmann
Die Liste enthält lediglich eine Auswahl an Artikeln und erhebt somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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