Finanzwirtschaft-Magazin, 19.09.1990
«Essen, Trinken, Ruhen, Lieben und Schutz vor der Umwelt sind die Grundbedingungen menschlicher Existenz. Der Einfluss, den...
Verner Panton
«Essen, Trinken, Ruhen, Lieben und Schutz vor der Umwelt sind die Grundbedingungen menschlicher Existenz. Der Einfluss, den die Behausung auf den Menschen hat, sind prägend für den Menschen.» Diese These vertritt der bekannte, seit über 20 Jahren in Basel wohnhafte Designer und Architekt Verner Panton. Der in Dänemark geborene überschüttet uns seit drei Jahrzehnten mit glühenden Farben und frechen Formen: Alptraum den einen, befreiender Erneuerer den anderen. Nicht nur seine respektlose Art, mit Farben zu wüten und zu schockieren, machte auf ihn aufmerksam. Alles, was er tat und tut, appelliert an unsere Sinne - seine Möbel, seine Farben, seine Textilien, seine Lampen. Pan ton, intemational bekannt, ist bis heute der Provokateur, der Märchenerzähler und der Visionär. geblieben, der schon immer die ordentliche Design-Welt durcheinanderzuschütteln wusste.
Anfang der sechziger Jahre galt er als Showmaster des Designs «Made in Denmark». Provokativ und ungehörig; aber mit einem ausgeprägten Fingerspitzengefühl für das Vakuum, das die Aufbruchstimmung der «swinging sixties» im Schlepptau hatte. Neue-Kunststoffe hatte die Realisierung des Projektes des "Stuhl aus einem Stück", der nur in Kunststoffkategorien entworfen und herstellbar war. Genau darin liegt seine historische Bedeutung. Es entstand der erste Entwurf seiner Respektlosigkeiten, und sie wurden zum Spontanerfolg.
Seine Ausbildung genoss Panton in Dänemark. Er studierte Architektur an der Odense Technical School und an der Royal Academy of Fine Arts in Kopenhagen. Schon früh begann er sich mit Inneneinrichtungsgegenständen und der Gestaltung von Ausstellungen zu befassen. Er entwickelte einen eigenen Stil, der durch den Gebrauch der Farbe und die Suche nach neuen Formen beherrscht ist. Zeit seines Lebens verfolgte Panton Möglichkeiten, aus dem Herkömmlichen auszubrechen und sich neue Materialien und Herstellungsmethoden nutzbar zu machen. Schon während seines Studiums an der Königlichen Akademie der schönen Künste in Kopenhagen hatte Panton die Idee, einen Stuhl aus einem Stück und ohne Beine zu konzipieren. Sein wohl bekanntester Entwurf ist der nach ihm benannte "Panton Chair" - jetzt schon ein Klassiker der Moderne. Dieser Stuhl gilt als der erste konsequente Vollkunststoffstuhl der Möbelgeschichte. Dass dieser überhaupt zur Serienreife und Vermarktung kam, ist der Ausdauer Pantons und der Risikobereitschaft eines damals noch unbekannten Untemehmens in Stein am Rhein zu verdanken. 1967 wurde der "Panton Chair" aufgelegt. Seit Anfang des Jahres ist dieser freischwingende Stuhl wieder da In der ursprünglichen Hartschaumversion, also bruchsicher, in neuen Farben und von der Firma, die an der Entwicklung des ersten Vollkunststoffstuhls der Möbelgeschichte massgeblich beteiligt war.
L. K