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Artikel aus BWIEBASEL, Heft 1/99


 
Er war einer der unabhängigsten und erfinderischsten Köpfe der sechziger Jahre, heisst es in einem Fachbuch über Design: Verner Panton.
 

BWIEBASEL

Weltberühmter Däne

Er war einer der unabhängigsten und erfinderischsten Köpfe der sechziger Jahre, heisst es in einem Fachbuch über Design: Verner Panton.

Seine Werke sind hell, frisch und unkompliziert. Sie haben den Lebensnerv der sechziger Jahre getroffen, sich selbstbewusst gegen alle Konventionen von Farben und Formen gestellt. So beschreibt ihn spontan eine junge Innenarchitektin. Wer ist diese WeItberühmtheit, die Basel zur Wahlheimat auserkoren hat?

Es handelt sich um Verner Panton, Architekt, Designer und Künstler. Geboren 1926 auf der lieblichen und idyllischen Insel Fyn in Dänemark, wo auch Hans Christian Andersen herkommt, liess sich der ideenreiche Mann mit seiner schwedischen Ehefrau vor über 30 Jahren in Binningen nieder und lebt seit neun Jahren nun mitten in der Stadt Basel. Was ursprünglich als Provisorium geplant war, ist zum Zuhause geworden. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, obwohl sich beide von Anfang an hier wohl gefühlt haben. Strategische Gedanken betreffend Zusammenarbeit mit verschiedenen Produzenten in ganz Europa und das Zusammentreffen mit Willy Fehlbaum, dem Vertreter der US-Firma Herman Miller Inc., machten Basel mit seiner zentralen Lage zum attraktiven Wohnort. «Eigentlich genügen mir ein Bleistift und ein Stück Papier, damit ich mich irgendwo zu Hause fühlen kann», meint Panton selbst. Dennoch ist Basel im Herzen zur Heimat geworden, besonders für Ehefrau Marianne; denn das gemeinsame Ehe- und Familienleben begann hier.

Bei Verner Panton ist Beruf und Alltag nicht trennbar. Obwohl der kleine Verner auf Fyn eigentlich davon geträumt hat, Maler zu werden, absolvierte der talentierte junge Mann auf Wunsch der Eltern die Königliche Akademie der Schönen Künste in Kopenhagen und ging mit dem Beruf eines Architekten und Designers einen akzeptablen und erfolgreichen Kompromiss ein.

Vielleicht haben Sie den Namen Verner Panton noch nie gehört, sind aber sicher schon seinem Werk begegnet oder gar auf einem seiner berühmten Stühle gesessen: auf der Tüte, der Herztüte oder gar auf dem neueren Spiralstuhl. Mit grosser Wahrscheinlichkeit kennen Sie den in den sechziger Jahren bahnbrechenden, da die übliche Statik aufhebenden Panton-Stuhl: einen farbigen, freischwingenden und stapelbaren Sitz in S-Form aus Kunststoff. «Ein Stuhl ist in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand, der bequem sein soll und ordentlich aussehen muss», erklärt Pan ton. So einfach ist das. Vielleicht kennen Sie seine Lampen, zum Beispiel Fun, die Hängelampe aus Muscheln, oder Sie tragen gar eine seiner neuesten Co-Produktionen am Handgelenk: die Click-Clock- Baukastenuhr. Wie dem auch sei, seine unzähl igen Kreationen sind nicht nur Alltagsgegenstände, sondern weltweit zu besichtigende Museumsstücke. Berühmt geworden ist Verner Panton zudem durch seine effektvollen Raumgestaltungen und die gewagten Farbkombinationen, die auch für Textilien, Teppiche und Beleuchtungen wegweisend waren.

Woher nimmt Panton seine Ideen? Wo schöpft er Kraft für sein Wirken?
Er habe keine spezielle Technik oder Methode, meint der kreative Mann. Die besten Ideen kommen einfach so, im Theater, im Urlaub, beim Nichtstun, sofern man bei einer so schöpferischen Person überhaupt je von Nichtstun sprechen kann; denn es tut sich immer etwas. Die Ideen sind im Kopf und warten auf den richtigen Moment, um ins Bewusstsein zu gelangen. Gott gab's den seinen im Schlaf, sagt der Volksmund. «Ein Tag ohne kreative Tätigkeit, ist kein guter Tag für ihn», kommentiert Ehefrau Marianne. Neugier und Interesse an neuen Techniken, Materialien, Formen und Farben prägen sein Leben und wecken seine Kreativität. Zwar entstand manchmal Unbrauchbares oder nicht Umsetzbares. Dann aber wieder einer der Hits, die zuweilen geschockt und zu heftigen Diskussionen auch innerhalb der Fachwelt geführt haben und genau dadurch etwas bewirkten: eine Reaktion.

Verner Panton hat sich immer intensiv mit Farben beschäftigt. Obgleich er - abgesehen von Rot - keine eigentliche Lieblingsfarbe hat, kleidet er sich seit Jahren fast ausschliesslich in Blau, vom Hemd bis zum Taschentuch. «Das ist reine Bequemlichkeit», meint Frau Panton. Auf den vielen Reisen treten so keine Kombinationsprobleme auf, ist für die Familie aber zuweilen langweilig. Marianne Panton bevorzugt Schwarz. Im Alter wendet man sich im allgemeinen eher den dunkleren und kälteren Farben zu, meint der Künstler, der sich auch wissenschaftlich intensiv mit Farben und deren Bedeutung auf die Psyche befasst. «Wir haben in den sechziger Jahren vermutlich zuviel Orange gesehen; es war damals unsere Lieblingsfarbe», fügt die Ehefrau an. Orange bestimmte auch viele Raumund Objektgestaltungen von Panton. Reine und leuchtende Farben sind eine Leidenschaft des Ehepaars. Jahrelang haben sie damit gearbeitet und entsprechend ihr früheres Haus in Binningen und die kleine Wohnung in Kopenhagen eingerichtet. Gelb für die sonnigen Bereiche, die aufmuntern sollen, Magenta für das Wohnzimmer, die Kommunikation anregend, und Blau im Arbeitszimmer als geistige Inspiration. Ihr jetziges Zuhause in Basel empfinden sie als nicht repräsentativ, da sie es nach eigenen Worten nie so richtig eingerichtet haben. Für den Laien ist die Wohnung dennoch ein Erlebnis. Alles eigene Werke, vorwiegend Prototypen mit den unverkennbaren Panton-Formen und kräftigen Farben.

Was bewegt das Ehepaar Panton heute?
An erster Stelle steht eine gute Gesundheit; denn Verner Panton leidet an den häufigen Berufskrankheiten wie Rükken- und Nackenschmerzen. Zudem rücken typische Migrantenfragen in den Vordergrund: Wo wollen wir uns im Alter niederlassen? Sollen wir nach Skandinavien zurückkehren? Als Ambiente ihrer eigenen Ehe, der Arbeitswelt und insbesondere der geographischen Lage im Dreiländereck. Basel hat eine besondere Atmosphäre, die Menschen sind kunstinteressiert und weltoffen. Zudem kann man Gäste mit einer Dreiländerfahrt in grosses Erstaunen versetzen. Dennoch würde der Raumgestalter Panton liebend gern einiges an seiner Wahlheimat verändern. «In Basel sind absolut mehr Farben in den Strassen nötig, und die Beleuchtung sollte geändert werden.» Das einzige realisierte Projekt war vor vielen Jahren der Durchgang in der Tiefgarage des Kantonsspitals. Marianne Panton ist begeistert von ihrem Leben an der Seite des weltberühmten Architekten und Designers. Sie lernt viele interessante Menschen kennen, macht interessante Arbeiten, trifft sich mit Künstlern. Als private und geschäfliche Partnerin begleitet sie ihren Mann an jede Besprechung und auf jede Reise und unterstützt tatkräftig all sein Wirken. Das war nicht immer einfach; denn früher reagierten viele Geschäftspartner irritiert darauf, dass die Ehefrau auf Wunsch ihres Mannes immer aktiv anwesend war. Unterdessen haben sich alle daran gewöhnt.

Im Gespräch mit den Pantons merkt man, dass die Harmonie, die Verner Panton in seinen Werken umgesetzt hat, auch in der Partnerschaft lebt und wirkt. Beide sind einander sehr zugetan und tief verbunden. So sollte es überall sein. Was im Privaten harmoniert, klappt beruflich nicht immer. Wünsche und Hoffnungen hat der über 70jährige auch heute noch. «Die Welt ist nicht farbig genug. Die Architekten haben Angst vor Farben. Es liesse sich noch so viel machen», meint er, und es tönt durchaus nicht resigniert. «Optimismus ist das Wichtigste im Leben.» Das ist die Botschaft des Mannes der die Architektur- und Designerwelt hauptsächlich in den sechziger bis in die achtziger Jahre entscheidend geprägt hat.

Was bedeutet den beiden Basel?
Vermissen tun die Skandinavier eigentlich nur das Meer und geniessen deshalb ihre regelmässigen Aufenthalte in Kopenhagen. Zuhause bedeutet in erster Linie Basel, aber auch Schweden und Dänemark. Die Pantons wissen nicht mehr genau, wo sie hingehören, empfinden dieses Gefühl aber primär als Bereicherung und nicht als Belastung. In Basel geniessen sie das interkulturelle; alternativer Wohnort käme nur Dänemark in Frage. Die Pantons wollen unbedingt eine Entscheidung treffen, haben aber gemerkt, dass dies nicht einfach ist: Die Wurzeln insbesondere von Marianne Panton sind unterdessen tief im Basler Boden verankert.

Andrea Knecht
Die Liste enthält lediglich eine Auswahl an Artikeln und erhebt somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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