Brigitte 02/2005-VERNERS VISIONEN
Der "Eistütenstuhl", der "Herzsessel", die "Muschellampe" - in der Wohnung von Marianne und Verner Panton sind sie versammelt, die Design-Ikonen des Dänen ...
VERNERS VISIONEN
Der "Eistütenstuhl", der "Herzsessel", die "Muschellampe" - in der Wohnung von Marianne und Verner Panton sind sie versammelt, die Design-Ikonen des Dänen Verner Panton. Wir kennen sie alle.
Denn die Möbel setzten Anfang der sechziger Jahre einen Kontrast zum Bauhaus-Stil, zum Diktat der Vernunft. Endlich einmal etwas anderes. Freude, Freiheit, das Lebensgefühl einer aufbrechenden Jugend goss der 1926 geborene Architekt und Designer mit seinem legendären "Panton Chair" in Kunststoff. Der Mann wagte was: neue Techniken, andere Formen, mehr Farbe. Seine Vision des Wohnens gipfelte 1970 in der Ausstellung "Visiona II", einer fantasievollen Wohnlandschaft in Schaumstoff, die er anlässlich der Kölner Möbelmesse entwarf. Für Verner Panton gehörten zur Einrichtung nicht nur Möbel, sondern auch Wände, Decke und Boden. Bestes Beispiel: die eigene Wohnung in Kopenhagen. Wie wohnt es sich in Verner Pantons bunter Designwelt? BRlGITTEwoman wollte es wissen und befragte Marianne Panton, die Witwe des 1998 verstorbenen Designers.
Pflegt das Werk ihres Mannes: Marianne Panton
BRIGITTEwoman: Möbel, Leuchten, Wände im PantonDesign. Haben Sie wirklich in dieser Wohnung gelebt, oder benutzten Sie die Räume als eine Art Showroom?
Marianne Panton: Ja, natürlich lässt es sich hier leben. Die ganze Wohnung ist zwar voller Panton-Design, sie ist aber mehr als Gesamtkunstwerk konzipiert. Auch als älterer Mensch kann man sich in farbiger Einrichtung wohl fühlen. Viele Besucher sind beim Betreten der Wohnung erst einmal irritiert. Nach einer Weile merken die meisten jedoch die positive Ausstrahlung der Farbe. Meinem Mann war Farbe in allen Bereichen sehr wichtig. Deshalb hat er auch nach seinem Architekturstudium Farbpsychologie studiert.
BRIGITTEwoman: Die Möbel in ihrer Wohnung entstanden aus dem Lebensgefühl der sechziger Jahre. Wie empfinden Besucher heute die Verner- Panton- Welt?
Marianne Panton: Damals war das Design den meisten Leuten zu avantgardistisch. Heute ist es sehr populär. Verners Visionen haben sich durchgesetzt. Viele der damals kritisierten Möbel haben sich als langlebig erwiesen, sind nun Klassiker und wirken immer noch zeitgemäß. Und das aktuelle Interesse an den sechziger Jahren lenkt natürlich den Blick erneut auf sein Werk.
BRIGITTEwoman: Ihr Mann hat einmal gesagt: "lch finde nichts so schlimm, wie in ein Wohnzimmer zu kommen mit einem Sofa, zwei Sesseln und einem Couchtisch." Wenn ich mich hier so umschaue, ist Ihre Einrichtung nicht weit davon entfernt.
Marianne Panton: Gelegentlich konnte ich auch ein paar von meinen Vorstellungen in die Einrichtung einbringen. lm Übrigen überarbeitete Verner seine Ideen permanent. Er war nie ganz zufrieden, veränderte zum Beispiel in der Wohnung die Farbe an Wänden, Decke und Boden, stellte Möbel um - nur zum Experimentieren.
BRIGITTEwoman: Was für ein Mensch steckte hinter dem auffallenden Design?
Marianne Panton: Mein Mann war ein sehr schüchterner und bescheidener Mensch, der sich, ganz anders als seine Entwürfe, nie in den Vordergrund rückte.
BRIGITTEwoman: Sie haben sich zu Lebzeiten Ihres Mannes sehr zurückgehalten. Heute ist es lhnen zu verdanken, dass viele seiner Entwürfe wieder produziert werden. Waren Sie die starke Frau hinter dem Mann?
Marianne Panton: Ich habe nicht direkt mit dem Design meines Mannes zu tun, war aber immer dabei und habe mich um das Büro gekümmert. Wenn man, wie wir, 35 Jahre lang zusammenarbeitet, identifiziert man sich selbstverständlich mit der Arbeit des Partners.